Was ist eine Haushaltsrechnung?
Die Haushaltsrechnung ist eine systematische Aufstellung und Gegenüberstellung aller monatlichen Einnahmen und Ausgaben eines Haushalts. Ihr primäres Ziel ist es, die finanzielle Leistungsfähigkeit und das frei verfügbare Einkommen zu ermitteln. Sie gibt Aufschluss darüber, ob die laufenden Einnahmen ausreichen, um alle Ausgaben zu decken, und ob noch Spielraum für zusätzliche Belastungen, wie beispielsweise Kreditraten, vorhanden ist. Eine sorgfältig erstellte Haushaltsrechnung ist die Basis für jede seriöse Finanzierungsplanung.
Bedeutung in Österreich
In Österreich ist die Erstellung einer Haushaltsrechnung ein zwingender Bestandteil der Bonitätsprüfung bei der Vergabe von Konsumentenkrediten sowie insbesondere von Hypothekar- und Immobilienkrediten. Kreditinstitute sind gemäß § 7 des Hypothekar- und Immobilienkreditgesetzes (HIKrG) sowie dem Verbraucherkreditgesetz (VKrG) gesetzlich verpflichtet, die Kreditwürdigkeit des Verbrauchers vor Abschluss eines Kreditvertrages eingehend zu prüfen. Die Haushaltsrechnung stellt dabei das zentrale Instrument dar, um das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben (die sogenannte Schuldendienstfähigkeit) zu beurteilen und eine Überschuldung des Kreditnehmers zu verhindern. Die „Vergaberichtlinien der Banken“ (ehemals KIM-V) legen dabei noch strengere Maßstäbe an als die gesetzlichen Mindestvorschriften, oftmals wird eine maximale monatliche Belastung von 40% des Haushaltsnettoeinkommens als Richtwert herangezogen. Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) überwacht, dass die Kreditvergaberichtlinien von den Banken eingehalten werden. Bei der Haushaltsrechnung werden typischerweise berücksichtigt:
- Einnahmen: Nettoeinkommen (Gehalt, Pension, Mieteinnahmen, Alimente, Kinderbeihilfe etc.).
- Ausgaben: Fixkosten (Miete, Betriebskosten, Kreditraten, Versicherungen, KFZ-Kosten) und variable Kosten (Lebenshaltungskosten, Freizeit, Bildung). Für die Lebenshaltungskosten werden oft Pauschalsätze verwendet, die von der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen abhängen.
Ein positiver Saldo, der auch bei Berücksichtigung der neuen Kreditrate noch einen ausreichenden Puffer aufweist, ist Voraussetzungen für eine Kreditvergabe. Zudem wird ein Liquiditätspuffer von bis zu zwei Monatsraten oft als erforderlich betrachtet.
Praxisbeispiel
Ein Ehepaar mit zwei Kindern möchte einen Immobilienkredit aufnehmen. Ihre gemeinsamen Nettoeinkommen betragen 4.500 Euro pro Monat. Ihre fixen Ausgaben (Miete, Betriebskosten, Versicherungen) belaufen sich auf 1.500 Euro. Für die Lebenshaltungskosten werden pauschal 2.000 Euro angesetzt. Das bedeutet, ihr frei verfügbares Einkommen beträgt 4.500 Euro - 1.500 Euro - 2.000 Euro = 1.000 Euro. Wenn die neue Kreditrate beispielsweise 800 Euro beträgt, bleibt ihnen ein Rest von 200 Euro, zuzüglich eines Liquiditätspuffers von einigen 100 Euro, der für unvorhergesehene Ausgaben oder die Kreditrate wichtig ist. Die Bank wird prüfen, ob dieser Rest ausreichend ist und die 40 %-Quote einzuhalten ist. Entsprechend wird über die Genehmigung des Kredits entschieden.
Worauf Sie achten sollten
Erstellen Sie vor einem Kreditantrag eine ehrliche und vollständige Haushaltsrechnung. Sammeln Sie Kontoauszüge, Lohnzettel und Belege für Ihre Ausgaben, um eine realistische Einschätzung zu erhalten. Seien Sie sich bewusst, dass die Bank Ihre Angaben genau prüfen wird. Ein positiver Saldo ist entscheidend für die Kreditbewilligung. Unterschätzen Sie keine Ihrer Ausgaben und kalkulieren Sie immer einen Puffer für unvorhergesehene Ereignisse ein. Eine gute Vorbereitung Ihrer Haushaltsrechnung kann den Kreditprozess beschleunigen und Ihre Bonität positiv beeinflussen. Achten Sie darauf, welche Pauschalsätze für die Lebenshaltungskosten die jeweilige Bank anwendet und ob diese realistisch für Ihre Situation sind.
Rechtliche Grundlagen
- • § 7 HIKrG
- • § 7 VKrG
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